Neue Musik und andere akkustische Sensationen (Teil 1)

Wie Ihr ja jetzt wisst, komme ich gerade aus Spanien, wo ich am Festival “Festival International Nits D´Aielo L Arts” teilgenommen habe - eine Veranstaltung in denen Neue Musik in 4 Konzerten in Madrid und zwei Konzerten in Aielo (80km vor Valencia) vorgestellt wurden. Es war das achte Festival dieser Art und wird vom äusserst engagierten Llorenc Barber kuratiert.
In den nächsten Tagen möchte ich Künstler dieser Konzerte vorstellen, die im Umfeld der Neuen Musik oder improvisierten Musik tätig sind und aufgrund der Medien+ Hörstrukturen nur selten in der Öffentlichkeit gehört werden können.

Beginnen werde ich mit der Aktion des Künstlers Rafael Leonardo Setién. Er führte eine Art Fortsetzungs-Performance durch, der erste Teil war in Madrid zu sehen, der zweite in Aielo.
In einem Raum sind aufgebaut: Ein Tisch mit Glocken und einem Holzgerüst und einigem Werkzeug. Rechts und links hinter dem Tisch stehen zwei Schallplattenspieler, hinter dem Tisch ein Fernseher. Im Eingangsbereich des Raumes sind Stühle mit Notenständern aufgebaut, auf denen sind grafische Partituren aufgebaut.

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Ein Bass-Klarinettist nimmt nach und nach auf den Stühlen Platz und spielt was er sieht. Der Künstler Setién betritt den Raum und breitet nach und nach Bilder auf dem Boden aus, er wird dabei von einem Kameramann gefilmt, der ihn über die ganze Performance hinweg filmt, das Ganze wird auf einer Videoleinwand übertragen. Danach nimmt er eine Glocke vom Tisch und zieht laut bimmelnd durch den Raum. Nachdem sich auch in die letzten Gehörgänge der laute Glockenton eingefressen hat, geht er wieder zum Tisch und beginnt Beton anzurühren. Nach einer Weile füllt er diesen frischen Beton in das vor ihm stehende Holzgerüst, dazu spielen die beiden Plattenspieler zwei präparierte Schallplatten mit unterschiedlichen Loops auf Tempo 16. Er versenkt die Glocke im Beton und giesst den Rest darüber, um sie so einzuschliessen. Die Musik verstummt und er erzählt dem Publikum, dass es ihm um die Erinnerung an Klänge geht, an verschollene Klänge, an das “Nicht-Vergessen”. Bilder können immer wieder gezeigt werden - Klänge dagegen finden nur in Echtzeit statt, sie können nur “erinnert werden”. Wir sollen uns der vergessenen Klänge erinnern und besonders an diese Glocke. Wir, das Publikum hätten jetzt noch 10 Minuten Zeit, uns auf dem Tisch und den Bildern umzusehen, dann wäre die Performance zuende - die Fortsetzung ist die “Beerdigung” der Glocke an einem anderen Tag.

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Ein paar Tage später in Aielo: Die 20-köpfige Kapelle des Dorfes (4000 Einwohner) spielt eine schöne, melancholische und minimalistische Komposition. Wieder wird der Künstler von einer Kamera gefilmt und das Bild auf eine Häuserwand projeziert, dazu läuft ein Fernseher mit der Performance aus Madrid.

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Rafael Leonardo Seti�n buddelt vor dem örtlichen Konservatorium ein Loch in die harte Erde und versenkt die in Beton gegossene Glocke dort hinein, das Ganze ist durch Licht von Fackeln erhellt. Die Zahlreichen Zuschauer des Dorfes stehen ratlos, aber gebannt davor und erleben so die Beerdigung der Glocke.

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Das Ganze mag sehr merkwürdig klingen, ich erlebte es als etwas poetisches und fand es sehr schön die Musiker des Dorfes mit in die Performance mit einzubeziehen.

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