Me, The Disco Machine

Meine Einsätze als DJ kann ich trotz einer einigermassen grossen Sammlung an LP`s, Maxis, CD`s und MP3´s an zwei Händen abzählen. Ich scheine einfach nicht den Eindruck zu machen, als sei ich geeignet.
Nun war es mal wieder soweit. Die Einladungskarte für den fünfzigsten Geburtstag meiner Schwester machte den Eindruck einer Party mit mindestes 50 Leuten aller Generationen. Meine Schwester gab mir nur als Vorlage Musik aus den letzten 50 Jahren mitzubringen und ich hatte mich auf nahezu alles vorbereitet.
Ich hatte vorsorglich mehrere Ordner mit Stücken der jeweiligen Jahrzehnte angelegt und auch Schallplatten hervorgekramt, die schon jahrelang in einem Regal auf den finalen Ensatz warteten.
Für den späteren Abend, wo doch normalerweise die jungen Menschen tanzen, hatte ich dann noch eine spezielle Selektion meiner liebsten Dancefloor-Scheiben zurechtgelegt. Wie gesagt, gut vorbereitet.

Als die Gäste einrollten, spielte ich schon munter irgentwas von den frühen Stones, Beatles, ja auch Perry Como und auch etwas soulige Sachen. Da sah ich es schon: Das Durchschnittsalter war von mir falsch eingeschätzt worden. Die älteren Gäste überwogen. Macht ja nichts, ich war ja gut gewappnet.
Während des Essens dann schönen Easy-Listening-Sound von Martin Denny und auch alte Verve-Scheiben, ach das ging ganz flüssig von der Hand, wären da nicht schon die Killer-Ansagen von “kannst Du mal ein bischen leiser machen” gekommen - aber man ist ja tolerant.

Dann kam die heisse Phase: Wie gelingt es die Menschen zum Tanzen zu bewegen. Ich versuchte verschiedene Register, mehr Disko, siebziger Donna Summer: keine Reaktion, gut, dann vielleicht achtziger? Null.
Ok, dann alle Trümpfe auf den Tisch: Groove. James Brown, Wilson Pickett. Kommt meine Schwester: “Kannst Du nicht mal was grooviges spielen?” Hey, super ermutigend. Dann der Killer: “Spiel doch mal Udo Jürgens, aber bitte mit Sahne”. Bin ich denn nur stumpf? Nö nö, jetzt war mir alles egal, nur noch Lieblingsstücke oder sarkastisch-musikalische Kommentare meinerseits: Squarepusher, 2Step-Garage, die neue von The Streets, oder “Wladimir Putins Cousine” von Funny van Dannen gemischt mit House-Beat. Dann Antonelli Electr. und The Modernist versehen mit kleinen Sprengseln von Schlagermusik der Sechziger ("Er hat ein knall - rotes Gummiboot"), Minimal Techno und Schlager mischt sich überhaupt gut, wie ich feststellen konnte.

Und noch: “69 Année Érotique” von Serge Gainsbourg mit Todd Edwards versehen, und gleich hinterher den Remix von Matthew Herberts “Bonnie & Clyde” - das machte Spass, und trieb die Gäste zur Verzweiflung. Mal konnten sie wieder mitsingen, wenn ich kurz “Mr.Tambourine Man” anstimmte, dann aber in die Version von William Shatner überblendet (hat er wirklich mal gesungen...).  So hatten wenigstens meine Nichten und ich ihren Spass. Aber als zweckdienlicher DJ bin dann doch nicht geeignet, glaube ich, vielleicht engagiert mich ja nochmal jemand, aber aus meiner Familie sicher keiner mehr.

Name:

Email:

Location:

URL:

Smileys

Remember my personal information

Notify me of follow-up comments?

Bitte die folgende Frage beantworten, um den Kommentar zu posten:

Welche Summe ergibt 6+2 ? 1 Zeichen nötig