Die Geschichte des Ghi-ohji Tempels

Im 13.Jahrhundert lebte Ghi-oh, eine Tänzerin und Sängerin im Shirabyoshi-Stil. Sie war in ganz Kyoto berühmt und dabei von solcher Anmut und Schönheit, dass der damalige Herrscher Taira-no-Kiyomori sie zu seiner Favoritin machte und ihr und ihrer Mutter Toji ein grosses Haus mit allen Annehmlichkeiten baute. Sie wurde zur überragenden Persönlichkeit des Tanzes am Hof. Drei Jahre jedoch kam ihre Schwester Hotoke Gozen in die Stadt, und sie stellte bei ihrer ersten Darbietung alles in den Schatten, was an Tanz und Gesang bisher in Kyoto zu sehen war. Da war es nur eine Frage der Zeit, wann dies dem Herrscher zu Ohren kommen würde. Ghi-Oh war erzürnt: “Wie konntest Du nur ohne Einladung in die Stadt kommen!”.




Es kam wie es kommen musste: Auf Einladung von Kiyomori musste Hotoke Gozen einige ihrer Tänze am Hof zeigen und sie sang dabei mit einer solch verzückenden Stimme, dass der Herrscher beschloss, sie zu seiner Lieblingsfrau zu machen und sie einzuladen in dem wunderbaren Haus ihrer Schwester zu wohnen. Hotoke Gozen schämte sich sehr ihrer Schwester eine solche Schande gemacht zu haben und ihre Vormachtsstellung so jäh zu beenden, doch der Herrscher war unerbittlich und rief: “Werft Ghi-Oh aus dem Haus!”.
Als Ghi-oh die Nachricht von ihrem Rauswurf überbracht wurde, wurde sie sehr traurig und auf der Treppe hinterlies sie die folgenden Zeilen:
“Ob das Gras dabei ist zu blühen,
oder wenn es verdorrt und stirbt,
all das Gras muss letztendlich im Herbst vergehen.
Auch für die Menschen,
wird die Liebe eines Tages ermüden.”

Sie ging sie in den Westen Kyotos und suchte ein kleines Kloster im Wald auf und lebte dort zurückgezogen mit ihrer Mutter. Im folgenden Frühling kam eine Nachricht von Kiyomori, er sei am Hof gelangweilt und Ghi-oh solle doch zurück kommen, um ihre Tänze zu zeigen. Zuerst wollte sie die Boten wegschicken, doch ihre Mutter ermahnte sie: “Die flüchtige Natur der Beziehung zwischen Mann und Frau ist die Lektion, die Du lernen musst. So lange Du lebst, kannst Du nicht gegen den Willen des Herrschers handeln. Denke an Dein Leben und das Deiner schwachen Mutter und gehe in die Stadt”.
Als sie an den Hof kam, begriff sie schnell, dass ihr alter Platz vergeben und sie in einer unteren Stellung leben musste und eines ihrer Lieder war von einer solchen Wehmut und Trauer erfüllt, dass alle Anwesenden anfingen zu weinen. Doch auch hier erwies sich der Herrscher aus unerbittlich, und warf sie wieder vom Hof. Da beschlossen sie und ihre Mutter Nonnen zu werden und wieder im kleinen Kloster am Stadtrand zu leben. Eines Abends, als beide gerade beten, klopft an der Tür. “Wer kommt so spät noch heraus zu uns? Ist es ein Teufel, der uns vernichten will, oder ist der Buddha gekommen, um uns zu beschützen?”.




Es ist ihre Schwester Hotoke Hozen, die das Unglück ihrer Schwester nicht mehr ertragen kann und beschliesst, ebenfalls eine Nonne zu werden. Ghi-oh, geläutert durch ihr Gebet fällt ihrer Schwester um den Hals und ruft: “Ich habe niemals geträumt, dass Du so fühlst. mein Ärger ist verflogen, lass uns fortan gemeinsam nach der Erleuchtung streben und dem weltlichen entsagen.” So lebten die drei bis zu ihrem friedlichen Tode im Kloster, das fortan der Tempel von Ghi-oh genannt wurde.

Nachtrag: Dieser Ort und diese Geschichte waren in Vergessenheit geraten. Als in der Neuzeit der Geisha Chishoni ein ähnliches Schicksal wiederfuhr, erinnerte sie sich an die Geschichte und auch sie zog sich an diesen Ort als Nonne zurück. Sie fing an wieder Moosbeete anzulegen und den Platz wieder aufzubauen und zu pflegen und so an die Geschichte von Ghi-oh zu erinnern. Die Menschen Kyotos beweinten ihren Tod im Jahre 1994.

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