Blockbuster-Promotion

Es gibt Plätze, die sich als Zentrum einer Metropole alleine durch die tägliche Menschenansammlung definieren. Timesquare N.Y. oder auch der Picadilly Circus in London. In Tokyo gibt es gleich (mindestens) zwei solcher Mega-Zentren: Shibuya und Shijuku.

Hier kommen die wichtigsten U-Bahn-Linien zusammen und man kann sich zum Einkaufen (Shibuya) oder Essen (Shinjuku) verabreden.
In Shibuya tritt man aus dem Bahnhof hervor und es fallen nicht nur tausende von Menschen sondern auch ein grosser Lärmpegel auf. Jede der überdimensionalen Videowände buhlt um die Gunst der Zuschauer, in den Eingängen der grossen Elektro- oder Modeläden stehen häufig Werber mit Megafonen, das ganze ergibt einen Pegel, der Stress verheisst.
Ich mache mich auf den Weg zu “Tower-Records”, um mich ein bischen über die aktuelle japanische Musik zu informieren. Im Geschäft selber gibt es eine Vitrine mit den Anzügen der Boygroup No.1 “Tokio”, die von den weiblichen Fans fotografiert werden.

Im Eingang des Laden steht eine junge Dame, die in ohrenbetäubender Lautstärke das neue Album der jungen Punkband ”175R” anpreist. Im 5-Minutentakt fährt ein riesiger amerikanischer Monster-Truck mit den gemalten Gesichtern der Band am Laden vorbei. Auf der Videowand des Ladens läuft das Video der Gruppe und als ich später auf den Hauptplatz vor dem Bahnhof zurückkehre scheinen sich auf magische Weise die Videowände der verschiedenen Hochhäuser zu synchronisieren und Werbung für die Gruppe auszustrahlen. Ich bin geplättet: Du meine Güte, ist das eine Promotion! Wer das an diesem Tag nicht mitbekommen hat, hat Wahrnehmungsstörungen der fortgeschrittenen Art. Übrigens musste ich zwei Tage später aus einem anderen Grund wieder nach Shibuya und von der Gruppe war bereits nichts mehr zu sehen. Da waren schon wieder andere dran und die Fans sahen auch schon wieder anders aus.


Shibuya ist neben den grossen Kaufhausern wie Seibu oder oioi nicht nur das Einkaufszentrum, sondern auch eine der Vergnügungsmeilen. Kinos, Theater und Kneipen, für Unterhaltung ist gesorgt und was “Concert Hall” heisst, kann sich in der Realität schonmal als lärmende Patschinko-Halle herausstellen.

Und sieht man überschminkte Schulmädchen mit Louis Vuitton-Taschen, die vermutlich durch den Verkauf ihres Körpers reicher sind als ihre Eltern und die hier herumlaufen und ihre Handynummern an Geschäftsleute verteilen, dann bekommt all diese bunte Welt einen negativen und traurigen Beigeschmack. 

Name:

Email:

Location:

URL:

Smileys

Remember my personal information

Notify me of follow-up comments?

Bitte die folgende Frage beantworten, um den Kommentar zu posten:

Welche Summe ergibt 3+5 ? 1 Zeichen nötig