Das nächste Konzert von mir, auf das ich Euch hinweisen möchte, ist der Auftritt mit Helga Davis & Lukas Ligeti zur Ausstellung von Kara Walker im Whitney Museum Of American Art (945 Madison Ave. at 75th St., New York) am 1. Februar. Der Beginn ist um 20:00 Uhr. Auch die Ausstellung selber ist sehr sehenswert, eine Verarbeitung der Geschichte der Schwarzen, insbesondere der Anfänge und der Sklaverei in Scherenschnitten - aussergewöhnlich.
Also in diesem coolen Laden trete ich nächste Woche mit Burkina Electric auf. Wer also am 12.1.08 “zufällig” in NYC ist, ist herzlich eingeladen. Der Hiro Ballroom ist im Maritime Hotel 363W, 16th St. - der Auftritt ist schon um 19:30 Uhr, wenn Ihr wollt versuche ich Gästeliste klar zu machen.....
Matt Berninger, Sänger der New Yorker Gruppe “The National” sagte, dass die Musik ihrer Gruppe die Hörer möglicherweise nicht sofort in ihren Bann zieht, sondern “wie alter Wein” reifen muss. In der musikalischen Umgangssprache nennt man das einen “grower” - ein Album das bei jedem Hören wächst. Und genau das ist bei mir nicht passiert. Als ich ihr neues Album “Boxer” zum ersten Mal hörte, wusste ich es: Diese CD wird mich noch Jahre begleiten. Diese Platte ist schlichtweg ganz gross. Und hier bedeutet Grösse nicht Pathos wie bei U2 oder Coldplay. Hier spricht die Grösse aus den Songs und Arrangements, weil man spürt, dass sich die Gruppe diesmal wirklich alle (Studio-)Zeit genommen hat, genau einen Mittelweg zwischen Reduziertheit und Ausdruck zu finden und trotzdem mächtige Meldodiebögen zu kreieren. Die Gruppe selber nennt Einflüsse von den Pixies, Bob Dylan, The Smith oder Tom Waits, und zwischen Indie, Folk und Rock erschafft die Band auf “Boxer” einen sehr eigenständigen Sound. Für mich im Jahre 2007 die Platte des Jahres.
Heute ist die Elektronik dran. Was sich im letzten Jahr schon für mich andeutete: Ich höre wieder wesentlich mehr elektronische Musik, seien es die “Trentemøller Chronicles” oder Compliations, diese Form der Musik ist der perfekte Begleiter auf Reisen und im Auto. Hier meine vier Favoriten im Jahre 2007:
Gui Borato und “Chromophobia” ist für mich eine solche CD. Funktioniert im Club wie zuhause. Minimal, sonnig, modern und ein tolles Video mit “Beautiful Life” gibts dann gleich noch dazu.
Viele Gäste, aufgeregte Gespräche, dann M.I.A. mit ihrem Album “Kala” aufgelegt und die Party kocht, wetten? Hier hat sie ihren Vorgänger Arular noch getoppt und das ganze klingt weiterhin unbekümmert und tiefsinnig gleichzeitig. Elektro-Beats und Indien-Sounds, Rapper und Persussion-Feuerwerke. Der Respekt von der Strasse war ihr sicher und ihre Konzerte wohl echte Knaller. Glückwunsch.
“Walls” von Apparat ist da eine ganz andere Baustelle. Fast schon zurückgenommener seltsamer Pop mit Clicks und Cuts-Einflüssen und Strings. Als ich das Stück “Hailin From The Edge” hörte, konnte ich gar nicht anders und musste die CD haben - und wurde nicht enttäuscht, ein grossartiges Album.
Das coolste Monster des Jahres. Wie deep gehts denn noch? Ist das Dubstep, oder schon was anderes? Musik aus der Hölle mit Sehnsucht nach dem Himmel. Das kann man kaum mehr in Worte kleiden. Keine leichte Musik, aber ungeheuer intensiv. Und sein erstes Album getoppt, weil nicht nur 2 Stücke stimmen, sondern diesmal das ganze Album. Unbedingt anhören, wer wissen will, wo 2007 der Hammer hing, definitiv eines der Alben des Jahres.
Auch dieses Jahr gab es wieder so viele CD`s, in die es sich lohnt reinzuhören, dass ich, bevor ich zu den persönliche Top-Hits komme, noch über ein paar weitere Alben sprechen möchte.
Vielleicht hat mich vor 4 Jahren das Album “Down with Wilco” so abgeschreckt, dass ich seither Wilco nicht mehr vorurteilsfrei anhören kann. Man spürt in jedem Song, dass die Band gerne die Beatles wäre und auch diese Einflüsse sind auf dem neuen Album “Sky Blue Sky” von Wilco wieder zu hören. Sicher haben sie den Balast der O’Rourke-schen noisehaften Produktionen abgelegt und schöne Songs geschrieben, aber die CD hat mich enttäuscht. Und beim besten Willen kann ich nicht verstehen, warum das für SPON das Album des Jahres sein soll, rückwärtsgerichtete Innovation auf dem Vormarsch, oder was?
Da machen es die Stars auf ihrem neuen Album “ In Our Bedroom After the War” schon besser. Flockiger Pop, schöne Melodien, auch wenn das Album für mich nicht an den von mir sehr geschätzten Vorgänger “Set Yourself on Fire” nicht herankommt. Irgendwie ein bischen auf Nummer sicher auf den ganz grossen Popmarkt geschielt vielleicht. Trotzdem schön.
Auch das Nachfolgealbum von “Veneer” musste für José González eine echte Hürde sein, aber “In Our Nature” ist richtig gut geworden. Er ist sich und seinen reduzierten Pattern treu geblieben und damit auch ihm seine grosse Fangemeinde. Die Experimente es mal mit einem Remix zu versuchen, hatte er schon auf der “"Australian Tour EP” abgehandelt und so bleibt es hier bei einem Mann und seiner Gitarre und seinen melancholischen Liedern.
Und wo wir gerade bei Melancholie sind: Ein grossartiges Album haben Naked Lunch mit “This Atom Heart of Ours” in diesem Jahr gemacht. Das Cover ist gut gewählt, hohe leere grüne Berge - und so klingt es denn auch. Aber so einsam wie bei Gonzáles ist das nicht, teils mehrstimmiger Gesang, ab und zu gehen die Arrangements richtig auf.
Auch alles richtig gemacht hat Robert Gomez mit seinem zweiten Album “Brand New Town”. Alles was Wilco für mich vermissen liess, hier ist es wiederzufinden: Eine souveräne klasse Band, wie selbstverständlich eingestreute Dubs und Effekte, die nie gewollt klingen, richtig gute Songs und eine schmeichelnde Stimme, die zugleich traurig, wie hoffnungspendend daherzukommen scheint. Schönes Album.
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Genug der Melancholie, morgen wird es flotter, versprochen.
Bevor es auch in diesem Jahr wieder eine ganz persönliche Zusammenstellung meiner Lieblingsalben gibt, möchte ich vorab auf die wichtigsten CD´s zurückblicken, an denen ich in diesem Jahr selber mitgewirkt habe.
Im April erschien das “Handbuch für die Welt” von den Fehlfarben, das ich produziert habe und wo ich mich für die meisten Synthesizer und Sequenzer verantwortlich zeichne. Die Reaktionen waren nicht alle euphorisch, aber insgesamt sehr gut - die Tour hat grossen Spass gemacht.
Im Juni erschien dann dann die CD der Bad Examples “Human Hell”, die Zusammenarbeit, in diesem Falle als Produzent und Tontechniker, mit ihnen macht immer wieder grossen Spass. Hier ist das Album reduzierter geworden als die Vorgänger, gefällt mir immer noch gut.
Im Juli wurde dann “nowhere” von a certain frank veröffentlicht, mit dem ich auf eine lange lange Zusammenarbeit zurückblicke. Das ist unser viertes gemeinsames Duo-Album, über fast zwei Jahre hinweg. Leider hat es nicht viel Aufmerksamkeit von den Medien erhalten, vielleicht weil es so entgegen der Zeitströmung loungig-elektronisch klingt.
Die letzte Veröffentlichung in diesem Jahr war das Album “Rêem Tekré” von Burkina Electric, mit Remixen von DJ Spooky, Mapstation, Badawi, Rupert Huber von Tosca und Paul de Jong von The Books. Mit ihnen hatte ich im Herbst eine Tour an der Ostküste der USA gemacht, die im nächsten Jahr zu meiner Freude zwei Fortsetzungen finden wird. Das Produkt ist bisher nur in den USA erhältlich und hat es wie ich schon am 18.12 geschrieben habe auf die Bestenliste von einem der 30 wichtigsten Musikjournalisten geschafft. Entsprechend gross ist die derzeitige Nachfrage nach der Gruppe und ich freue mich schon auf die nächsten Konzerte.
Und jetzt, wenn man ein bisschen Zeit hat, ein schönes schweres Puzzle: Untangle. Da versagen schon schnell meine durch zu viele Weihnachtsplätzchen schlapp gewordenen Gehirnzellen.
Wenn es um die besten Titel 2007 geht, so hat Paper Thin Walls seine Auswahl schon getroffen und es sind auf zwei CD`s so illustere Künstler wie M.I.A. oder Grinderman mit dabei, um nur mal zwei beim Namen zu nennen. Was mich besonders freut ist, dass es auch ein Titel geschafft hat an dem ich mitgearbeitet habe, mit der Gruppe “Burkina Electric” ! Ich weiss nicht, wie lange der Podcast noch online steht, ich kann Euch nur raten schnell zu sein, wenn Ihr diese illustere Auswahl downloaden wollt: Hier.